DayZ

Wo sich Veteranen auf der 225 km² großen Insel Chernarus mittlerweile bestens auskennen und alle lohnenswerten Orte auf der Karte aus dem Effeff herunterbeten dürften, werden viele Anfänger zunächst vor einigen Problemen stehen und sich fragen: Wofür das alle?


Soviel sei vorweg schon gesagt, DayZ (spricht sich Daisy bzw. DayZed) ist kein Spiel für Spieler die die schnelle Action suchen oder durch andauernde Belohnungen wie neu freigeschaltete Waffen, Ränge etc. motiviert werden müssen. Es gilt vielmehr das primäre Grundbedürfnis des Menschen seit jeher: Zu überleben und das um jeden Preis. Wie schon der berühmte Evolutionsbiologe Darwin feststellte. „Survival of  the fittest“. Es überlebt nur das stärkste und am besten an seine Umwelt angepasste Individuum.


Das DayZ eine Mod zu Arma 2 ist, haben wir bereits geklärt, da sich die Modifikation allerdings zudem noch in einer Alpha-Phase befindet und vielzählige Probleme für den Spieler bereithält, ist ein regulärer Testbericht schlichtweg nicht möglich. Wie bei dem Indie-Hit Minecraft, würde sich DayZ aber sowieso nicht in ein bestimmtes Korsett zwängen lassen, bzw. würde darin hoffnungslos zu Grunde gehen. Da es ähnlich wie bei dem Klötzchenspiel kein erreichbares Ziel im eigentlichen Sinne gibt, erkennt man relativ schnell die Andersartigkeit.


Gerade für Spieler, die zum ersten Mal von DayZ gehört haben ist das Spielprinzip ungewöhnlich und nicht gleich zu Beginn verständlich.


Als Überlebender finden wir uns nach einem erfolgreichen Serverbeitritt (nicht immer selbstverständlich) am Rande einer Küste wieder. Wie wir hier hergekommen sind oder wer wir sind, wird nicht geklärt, interessiert aber auch nicht. Was hier zählt ist das nackte Überleben, doch das lernen wir noch früh genug. Jeder Anfänger wird zu Beginn ordentlich Lehrgeld zahlen müssen, nur wer aus seinen Fehlern lernt, seine Umgebung gründlich erforscht und vorsichtig vorgeht, wird die derzeitige durchschnittliche Überlebenszeit von knapp einer halben Stunde überschreiten.

 

DayZWeiter im Landesinneren treffen wir ab und an auf etwas größere Siedlungen. Am Rande des Dorfes befindet sich ein kleiner Supermarkt, dort lassen sich wichtige Ausrüstungsgegenstände finden. Doch dies wissen auch andere Spieler.


Wir blicken uns um, in dem zunächst hoffnungslosen Versuch uns zu orientieren. Hinter uns schlägt die Brandung der Wellen gegen die Felsen der fiktiven Insel Chernarus. Schnell wird uns klar, ein Zurück gibt es nicht und hier am Strand können wir ebenfalls nicht länger verweilen. Neben der Analyse des eigenen Standorts ist zunächst die perfekte Beherrschung der komplexen Arma 2 Steuerung lebenswichtig. Wer offen durch das Gelände läuft macht nicht nur hervorragend optisch auf sich aufmerksam, sondern auch durch seine Lautstärke. Laufen wir plump wie ein Elefant im Porzellanladen über die Insel sind wir schneller tot als wir denken können. Wie laut und offen wir uns bewegen, erkennt man an zwei Symbolen am rechten Bildschirmrand. Liegen wir mucksmäuschenstill im hohen Gras sind wir praktisch unsichtbar und lautlos. Unter den Anzeigen weisen uns weitere Symbole auf Grundbedürfnisse unseres Charakters hin. Ob Hunger, Durst, Unterkühlung, Fieber, Blutungen oder Knochenbrüche, schnell  wird uns klar, dass sich DayZ die Prädikate Simulation und Realismus nicht wie viele andere Spiele ungerechtfertigt auf die Binde schreibt.


Trotz sichtlichen Orientierungsproblemen wagen wir mit wackligen Beinen erste Meter auf dem Strand und öffnen durch Zufall unser spärliches und etwas fummeliges Inventar. Viel findet sich in unserem Rucksack nicht, neben einem Verband, Schmerzmitteln und einer Leuchtfackel finden wir nur gähnende Leere, wir denken positiv; viel Platz für spätere Items. Nachdem wir uns mit der Steuerung etwas vertraut gemacht haben, suchen wir nach markanten Punkten in der Landschaft, mit deren Hilfe wir uns orientieren können. In der Ferne erkennen wir einen Leuchtturm und nehmen Kurs auf das Gebäude. Nach einiger Zeit tauchen am Horizont erste Häuserdächer auf, wir ertappen uns bei dem Gedanken, dass DayZ gar nicht so bockschwer ist wie immer behauptet wird und laufen naiv und munter in unsere erste Herde von Zombies.

 

DayZMit der passenden Ausrüstung gestaltet sich das Überleben deutlich einfacher, trotzdem kann uns jeder Schuss jederzeit ausschalten.


Zombies? Richtig, auf der fiktiven Insel hat sich ganz eindeutig eine Zombiepopulation eingenistet, die den Überlebenden an den Kragen wollen; um es einmal nett auszudrücken. Wie der findige Leser sicherlich erkannt hat, haben wir im Plural gesprochen; die Zombies sind nämlich nicht unser größtes Problem in DayZ. Viel gefährlicher sind andere menschliche Überlebende, die für gute Ausrüstung durchaus bereit sind über Leichen zu gehen und wir sprechen nicht von den wandelnden Leichen. Wir müssen jederzeit auf der Hut sein und dürfen keinem trauen; das heißt meistens: Erst schießen dann fragen. Freilich heißt das nicht, dass keiner mit anderen kooperiert oder sich mehrere Überlebende zu einer Gruppe zusammenschließen. Allerdings macht uns dieser Umstand das Leben auch nicht leichter. Zudem ist übermäßiges Vertrauen in einer Gruppe immer so eine Sache, nicht jeder ist Grundehrlich. Schnell hat man einen Gewehrlauf im Rücken, denn Gier und Hunger können jeden Menschen zu einem Mörder machen; zumindest in DayZ.

Verantwortlich für die Entwicklung von DayZ ist der Modder Dean „Rocket“ Hall. Bereits während er bei dem Entwicklerstudio Bohemia Interacitve angestellt war, werkelte Hall an seiner Zombie-Mod und verhalf dem drei Jahre alten Arma 2 zu stark ansteigenden Verkaufszahlen. Unterstützt durch den Arma-Entwickler arbeitet Hall derzeit weiterhin an DayZ. Möglich ist eine parallele Portierung der Mod für das 2013 erscheinende Arma 3. Von Arma 2 zu DayZ


DayZWerden wir verletzt und verlieren Blut, färbt sich der Bildschirm in ein gefährlich aussehendes Grau. Spätestens jetzt sollten wir unsere Blutreserven wieder auffrischen.Nachdem uns erste Zombies überrascht haben, nehmen wir die Beine in die Hand und geben Fersengeld. Unbewaffnet sind wir völlig hilflos gegen die Brut. Das einzige Heil findet man zu Beginn in der Flucht. Ratsam ist es aber gar nicht erst entdeckt zu werden und Zombies möglichst gefahrlos zu umschleichen. In einem leerstehenden Wohnhaus schaffen wir es endlich unsere Verfolger abzuhängen und untersuchen unseren Charakter.


Schnell fällt uns auf, dass wir uns bei dem kurzen Aufeinandertreffen vorhin verletzt haben. Optisch können wir erkennen wie wir Blut verlieren und auch auf dem Debug-Monitor in der oberen rechten Hälfte des Bildschirms weist uns eine Anzeige auf unseren Gesundheitszustand hin. 12000 bedeutet, dass wir uns bei bester Gesundheit befinden. Werden wir verletzt, bluten wir und unser Blutdruck fällt rapide, bis wir uns mit einem Verband selbst verbinden und die Blutung somit stoppen. Fällt der Wert unter 5000, werden wir in regelmäßigen Abständen bewusstlos, ein sehr unangenehmer Umstand. Schlimmer ist es noch wenn wir uns einen Knochen brechen, somit kann unsere Spielperson nicht mehr aufstehen und muss kriechend vorankommen, was beinahe einem Todesurteil gleich kommt.

Die Blutung ist jetzt zwar gestoppt, allerdings haben wir eine Menge Blut verloren. Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten:

  • Wir treffen uns mit einem zweiten Spieler und führen eine Bluttransfusion durch, dass entsprechende Item und einen hilfsbedürftigen Mitmenschen vorausgesetzt; sehr umständlich.
  • Wir suchen uns Nahrungsmittel und steigern unseren Blutparameter um wertvolle Punkte; die beste Möglichkeit.

Nachdem unser Gesundheitszustand wieder stabil ist und wir uns von dem ersten Schock soweit erholt haben, geht die Suche nach neuer Ausrüstung in die zweite Runde. Dieses Mal sollten wir besser aufpassen, denn die Natur und vor allem der Mensch können unerbittlich sein.